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Spiritueller Impuls August 2019

Gießen und Erfüllen-Lassen

Deckenkartusche OPraem Spei

„Des Gärtners erste Pflicht: Gießen!“ Dieses Motto wurde zur Vorbereitung der Landesgartenschau 2014 in der mittelhessischen Stadt herausgegeben. „Gießen!“ - durchaus humorvoll eine Einladung und Erinnerung im doppelten Sinn des Wortes. Zuerst an alle Gärtner - pflichtbewusst die Landesgartenschau in Gießen zu besuchen. Doch genauso die Pflicht, die Pflanzen und Blumen zu gießen. Denn wo immer sie wachsen - sie brauchen notwendig Wasser. Dazu gibt es die fast in jedem Haushalt vorhandene Gießkanne. Es ist nur allzu einsichtig und konsquent, wenn sich in Gießen auch ein Gießkannenmuseum befindet.

Mit der Gießkanne kann das Wasser zielgerichtet, gleichmäßig und im richtigen Maß die Pflanzen erreichen. Und wie die Deckenkartusche (Rocaille) im Prämonstratenserkloster Speinshart (bei Bayreuth) zeigt, kennt auch Gott das Gießen mit der Gießkanne. Die Stadt Gießen kennt er natürlich auch genauso ...

Seine Rechte hält eine gefüllte Gießkanne und gießt Blumen in einem umzäunten Garten (vgl. Gen 2,8). Zielgerichtet, gleichmäßig und im richtigen Maß will er jeder Blume, das heißt jedem Menschen seine ganz persönliche Zuwendung schenken. Gott als Gärtner setzt auf sein eigenes Gießkannenprinzip. Das Wasser ist ER selbst: „ER kommt zu uns wie der Regen; ER lässt Regen strömen in Fülle“ (Hos 6, 3; Ps 68, 10). Mit IHM kommen Sein Segen und Seine Gnade (vgl. Ps 65, 11), damit wir uns gut entwickeln, wachsen und reifen. Dabei hält sich Gott wie jeder Gärtner an die richtige Reihenfolge - vor dem Gießen kommt das Füllen. Das Spruchband sagt es auf Lateinisch: „Colligit ut dispergat - ER sammelt, um zu verteilen.“ Dabei bleibt er ganz bei sich - ER schöpft aus Seiner eigenen Fülle, damit wir IHN empfangen (vgl. Joh 1, 16) können. Unterschiedslos will er alle Menschen einzeln erreichen, unabhängig davon, ob sie sich richtig oder falsch verhalten: „Er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“ (Mt 5, 45). Das ist die Freiheit göttlicher Liebe.

Das Gießen mit der Gießkanne will aufrütteln, selbst als „Gießkanne Gottes“ zu leben. Denn jedem wird Gottes Zuwendung geschenkt, damit sie anderen nützt (vgl. 1 Kor 12, 7). Auch hier ist die richtige Reihenfolge wichtig - vor dem Austeilen kommt das Erfüllen-Lassen von Gott selbst. Dabei dürfen wir aus den Tiefen der Liebe Gottes schöpfen, uns von ihr erfüllen lassen. Die Frau am Jakobsbrunnen (Joh 4, 1-40) begegnet Jesus, dem lebendigen Wasser. Wenn Menschen ihren Lebensdurst von IHM stillen lassen, dann werden sie - um im Bild der Gießkanne zu bleiben - zu einem lebendigen „Brausekopf“ (vgl. Joh 4, 14). Gottes Liebe will durch uns hindurch die Mitmenschen erreichen. Unentbehrlich sind deshalb ganz persönliche „Brunnenmomente- oder Zeiten“, in denen wir beim Schöpfer selbst schöpfen. Dann (erst) wird es möglich, schöpferisch an andere austeilen zu können, was sie wirklich an Zuwendung, Aufmerksamkeit und Hilfe brauchen. Das eigene Herz wird zum Schöpfgefäß, um aus Gottes unerschöpflichem Vorrat an Gnade und Liebe zu schöpfen. „In seiner Macht will Gott alle Gaben über uns ausschütten, sodass uns allezeit in allem alles Nötige ausreichend zur Verfügung steht und wir noch genug haben, um allen Gutes zu tun (vgl. 2 Kor 9, 8). Der Christen erste Pflicht - sich von IHM erfüllen lassen! Wie sieht dann unser Gießen aus?

P. Gregor Winter OCist

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