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Spiritueller Impuls September 2018

Nichts Neues
unter der Sonne

In den letzten Wochen begleitete uns in der Vigil das Buch des Predigers Kohelet. Es ist ein hohes philosophisches Buch, das in der Bibel recht exotisch wirkt und im weitesten Sinn als Lebenshilferatgeber bezeichnet werden könnte.

Dort fiel mir auf, wie der Prediger betont, dass es "nichts Neues unter der Sonne" gibt. Das spüren wir immer wieder am Ende der Jahreszeiten. Am 01. September beginnt meteorologisch der Herbst. Ich erinnere mich an diesen trockenen sowie warmen Sommer und die Eindrücke aus meinem Urlaub. Immer wieder folgt eine Jahreszeit auf die andere. Im Frühling kommt neues Leben in die Pflanzen, im Sommer entwickeln sich Früchte und im Herbst stirbt das Leben wieder ab. Ältere Menschen haben das schon Jahrzehnte lang miterlebt.

Auch in unserem Leben und Erleben haben wir oft den Eindruck, dass das alles schon mal passiert ist - man spricht von Deja-Vu-Erlebnissen, aber auch von Ereignissen, die sich im Laufe der Jahre immer wiederholen, wie beispielsweise die Kirmes und das Schützenfest hier im Dorf Langwaden - immer das gleiche, eigentlich eine Endlosschleife.

Und dennoch - so identisch wie aus dem Kopierer verläuft das Leben von jedem Einzelnen auch in der Natur nicht. Beim oberflächlichen Betrachten bemerkt man das natürlich nicht. Es ist wie jemand, der durch die Natur wandert und keinen Blick nach rechts oder links wirft - somit wird er auch die Naturschönheiten nicht wahrnehmen.

Es ist also nötig, genauer hinzusehen, sich sogar hineinzufühlen. Nicht jeder Frühling verläuft gleich. Mal erinnern wir uns dabei an schöne, manchmal aber auch an traurige Ereignisse. Liebespaare erinnern sich oft nach Jahrzehnten an den Frühling ihrer Liebe, andere denken an frühere Sommerurlaube, die so jetzt nicht mehr möglich sind. Andere wiederum merken später, dass sie im Grunde genommen im Jugendalter nie einen Blick übrig hatten für die besonderen Kleinigkeiten, sondern immer nur für große Ereignisse, die bekanntermaßen auch die größeren Schatten werfen - später entdecken sie, dass auch Details Freude bereiten können. Bei Ereignissen des laufenden Jahres ändert sich ebenfalls unsere Betrachtungsweise. Was anfangs oft noch als Pflicht gesehen wird, kann später zu einem liebgewonnenen Brauch werden, den man irgendwann nicht mehr missen möchte. Das ist auch im Mönchsleben so. Kann zu Beginn im Kloster das Chorgebet oft als hohe Anforderung gesehen und auch schon mal der Gedanke laut werden "ist es denn nicht bald vorbei", so kann ein Mönch nach vielen Jahrzehnten nicht mehr ohne sein - selbst unser Senior P. Basilius mit seiner altersbedingten Krankheit betet noch viele Teile im Krankenbett auswendig mit.

Es ist für uns gut, wenn wir wieder lernen, genauer hinzusehen und auch hinzuhören, um die stetige Veränderung in uns und um uns herum wahrzunehmen - die kleinen verborgenen Schönheiten der Welt und die Tatsache, dass eben doch nicht immer alles der ewige Trott ist, von dem der Prediger spricht. "Es war alles schon mal da?" - Nein, jeder Tag ist neu in unserem Leben.

Den spirituellen Impuls für September 2018
verfasste P. Aelred Kuhbandner OCist

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