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Spiritueller Impuls Februar 2019

Träge und nachlässig?
Neu anfangen, weiter lernen.

Im Lauf eines Jahres hören wir die Benediktsregel ge­nau drei Mal. So sind der 1. Januar, der 1. Mai und der 1. September mit dem Anfang des Prologs eine Art „Neujahr“. Den Erfindern dieser Auftei­lung bin ich sehr dankbar. Denn der Übergang vom letzten Kapitel zum Prolog spricht mich persönlich immer wieder ganz besonders an. Der Grund liegt darin, weil mit dem etwas versteckten Rahmenwort „Anfang“ das Ende und der Beginn der Re­gel miteinander verbunden werden. Ein Anfang im „Eilen zum himmlischen Vaterland“, ein Anfang auf dem „Weg des Heils“ (RB 73, 8; Prol 48) will eine beständige Grundhaltung werden.

Worum es geht, stellt die selbstkritische Sicht auf sich und die Gemeinschaft nüchtern fest: „Wir … sind träge, le­ben schlecht, sind nachlässig und müssen deshalb vor Scham er­röten.“ (RB 73, 7) Benedikt nennt damit am Ende der Regel Haltungen, in denen wir noch ganz am Anfang stehen. Was hinfällig, lax und unfertig ist, soll bewusst als neuer Lern- und Lebens­stoff mitgenommen werden, wenn die Regel wieder von vorn beginnt. Denn die „Schule für den Dienst des Herrn“ (Prol 45) besteht ein ganzes Leben.

Benedikt bleibt jedoch nicht bei der Diagnose stehen. Er nennt sofort auch Hilfen, wie genau dieses Lernen geschehen kann. Denn „jede Seite oder jedes von Gott beglaubigte Wort des Al­ten und Neuen Testamentes (ist) eine verlässliche Wegweisung für das menschliche Leben (lat: vita humana)“ (RB 73,3). Ja, geistlich lernen heißt menschlicher werden. Am konkreten Leben zeigt sich, in wessen Schule jemand lernt. Wir finden in der Heiligen Schrift zahlreiche „Mitschüler“ vor uns - unvollkommen, unfertig, auch bös­artig und hinterhältig. Aber auch großherzig, offen für Gottes Stimme und tatkräftig für seine Anliegen. Wie vielen ist es ge­lungen, durch Gottes Kraft und Gnade, ein träges, schlechtes oder nachlässiges Leben hinter sich zu lassen! Es ist eine Einladung an uns, es ähnlich zu wagen. Getrost soll sich das ideale und trügerische Selbstbild in Luft auflösen. Ich fange neu an, mit meinen eigenen Defiziten und Schattenseiten weiterzulernen in der „Schule für den Dienst des Herrn“.

Dieser Neuanfang im Weiterlernen findet sich auf der Zeichnung von Monika Bartholomé (Gotteslob S. 48) wieder. Da ist eine ziemlich wacklige Liegemöglichkeit. Oder ist es eine (hin)gefallene Person? Zugleich aber sind dort auch zwei Antennen - wie die sehnsuchtsvolle Bitte um einen Anfang, mit Gottes Hilfe und Gnade weiterlernen zu können; um wieder kraftvoll auf die Beine zu kommen für den - mitunter eiligen - Weg des Heiles.

Wo erfahre ich mich hinfällig, lax, träge? Welche Bitten strecke ich fühlergleich Gott entge­gen? Welche/r biblische/r Mitschüle­r/in lädt mich zum Nachhilfeunterricht ein?

P. Gregor Winter OCist

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