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Spiritueller Impuls August 2016

Gemeinsam "Mousallin" sein

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Auf einer nächtlichen Überlandfahrt durch die algerische Sahara von Ghardaia in das 600 Kilometer entfernte In Salah hält der Bus. Grund dafür ist das "Gebet des Maghreb" nach dem Sonnenuntergang. Claude Rault, katholischer Bischof des Bistums Laghuet, ist einer der Passagiere. Sein muslimischer Nachbar fragt ihn, ob er nicht aussteigen wolle. "Ich bin Christ, ich habe schon gebetet", antwortet er. Ohne Kommentar steigt sein Nachbar aus, um zu beten. Als er zurückkommt, sagt er zu ihm: "Wenn ich vom Beginn der Schöpfung der Welt an begonnen hätte zu beten und wenn du erst heute Morgen begonnen hättest zu beten, hätte Gott dein Gebet vor meinem empfangen." Dann schließt er die Augen und schläft. Der Bischof jedoch bleibt wach und denkt noch lange über diesen Satz nach.

Diese Episode ist klar und deutlich mit religiösem Tiefgang. Den Satz des Muslims verstehe ich so: "Bete immer wieder mit anderen neu zu Gott, nimm jede Gelegenheit wahr im Lauf des Tages und bete so, als wäre es zum ersten Mal!"

Kirchenglocken läuten viel seltener im Vergleich zu den Muezzin, die fünf Mal an jedem Tag zum Gebet und zur Anbetung Gottes einladen. Freilich halten es manche Christen und monastische Klöster ähnlich mit dem über den Tag verteilten Gebet. Doch stimmt es genauso, dass Muslime Christen nicht "automatisch" als betende Menschen wahrnehmen. Das Erlebnis von Bischof Rault regt zum Nachfragen an: Wie oft komme ich mit anderen innerhalb einer Woche zum gemeinsamen Gebet zusammen? Bleibe ich unabhängig vom Ort im Rhythmus der Gebetszeiten? Der Bischof berichtet, dass sich das Gesicht muslimischer Freunde überrascht aufhellt, wenn sie hören, dass auch die Christen betende Menschen sind. Christen sind dann wie Muslime "Mousallins" - Frauen und Männer des Gebets.

Sich mehrmals am Tag im Gebet gemeinsam ganz auf Gott ausrichten und ihn in die Mitte stellen - das verbindet Muslime und Christen. Sie teilen damit den Glauben an den barmherzigen Gott, der immer größer ist als sie selbst. Dabei kommt es zuerst auf die innere Haltung an und weniger auf den Ort. Denn die wahren Beter beten Gott im Geist und in der Wahrheit an (vgl. Joh 4, 23).

Im Zusammenhang mit dem Weltgebetstreffen der Religionen in Assisi 1986 sagte der hl. Papst Johannes Paul II. damals: "Wir können in der Tat festhalten, dass jedes echte Gebet vom Heiligen Geist angeregt ist, der auf geheimnisvolle Weise im Herzen eines jeden Menschen gegenwärtig ist." (Rede an die Kurie am 22.12.1986) - so stellt "das Gebet...ein gemeinsames Erbe dar, jenseits der Form, die es annehmen kann." Es zeigt allen, "dass Gott die Mitte des ganzen Lebens ist." (Claude Rault) - so sind Christen und Muslime gemeinsam "Mousallins".

Den spirituellen Impuls für August 2016
schrieb P. Gregor Winter OCist

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