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Spiritueller Impuls Oktober 2016

Anverwandlungsfreundlich

Wer bin ich? Wer sind wir? Was ist Identität? Im Wörterbuch wird es so erklärt - das "Existieren von jemandem als ein Bestimmtes, Individuelles, Unverwechselbares." Doch das erklärt nicht alles. Denn das Unverwechselbare unterliegt wie alles Lebendige dem Wechsel der Zeit. Das Individuelle ist nicht statisch, sondern immer veränderbar. Ein Blick auf den eigenen Lebenslauf wird das bestätigen - ein und dieselbe Sache sieht man als Kind, Jugendlicher, Erwachsener und Älterer oft völlig anders! Verschiedene Erfahrungen verändern einen, zum Teil sehr erheblich.

Die Werbung baut auf das Neue. "Neu!!!" - "Innovation!!!", heißt es immer wieder. Das Neue, Unbekannte und Fremde - es reizt zum Kennenlernen. Aber es kann auch ganz anders wirken - es verunsichert, überfordert oder ruft Ängste hervor. Ein näheres aufmerksames Kennenlernen ist gefragt, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Halbwahrheiten, Klischees, Vorurteile oder falsche Vereinfachungen sind keine guten Ratgeber. Es braucht hilfreiche Kriterien.

In einem lesenswerten Interview (Erbe und Auftrag 92, 2016, S. 76-88) weist Pater Elmar Salmann OSB (Abtei Gerleve) auf die zwei wichtigen Kriterien von Recht und Unterscheidung hin. Er wirbt für eine "römisch-benediktinische" Mentalität. Rom brachte nichts Originäres aus sich selbst hervor - es war dafür aber eine sehr "anverwandlungsfreundliche Gesellschaft". Religion, Philosophie, das beste Latein, Soldaten und die Götter - alles wurde importiert. Rom kennt für die Vielfalt zwei unentbehrliche Entscheidungs- und Einschätzungshilfen - das Recht und die Unterscheidung. Beides findet sich auch an wichtigen Stellen in der Benediktusregel wieder.
Gesetz - das heißt - "Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst!" (vgl. Lk 10, 27)
Unterscheidung - das heißt - "Prüft alles im Heiligen Geist und behaltet das Gute! (vgl. 1 Thess 5, 21 und 1 Joh 4, 1) So gelingt eine überlegte Meinungsbildung. Beide Kriterien ermöglichen, "gastfreundlich zu sein, einen gepflegten Umgang mit dem Fremden zu haben und zugleich das Eigene nicht über Bord zu werfen."

Christus ist anverwandlungsfreundlich, um dieses Wort auf ihn zu beziehen - er verbindet sich in seiner Menschwerdung voll und ganz mit der menschlichen Existenz. Als Auferstandener ist er uns Menschen immer zugänglich und nah. Im Wechsel der Zeiten bleibt er immer auf Augenhöhe mit der jeweiligen Zeit. Sein Gesetz und sein Heiliger Geist helfen uns, in den vielfältigen Entscheidungen und Einschätzungen. Unsererseits braucht es freilich dafür ebenfalls eine anverwandlungsfreundliche Haltung.

Wer das wagt, der findet wahrhaft zu sich selbst. Zugleich entsteht Gemeinschaft, ohne das damit die persönliche Unverwechselbarkeit zerstört wird. Deshalb kann keiner den Glauben für sich allein in Anspruch nehmen. Doch genauso braucht sich keiner um seine Identität zu sorgen. "Alle sind 'einer' in Christus" (Gal 3, 28). Dass dies gelungen ist und weiter gelingt, zeigt auch der Blick in die große vielgestaltige Gemeinschaft der Weltkirche in diesem Monat der Weltmission.

Den spirituellen Impuls für den Oktober 2016
schrieb Pater Gregor Winter OCist 

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