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Spiritueller Impuls Januar 2017

Als "Befristete" den Augenblick gestalten

Was ist das nur für eine einseitige Sicht auf den Menschen - er trägt keinen persönlichen Namen, sondern er heißt "Achtundachtzig", "Vierunddreißig" oder "Zehn", je nach der Dauer seines Lebens. So wird es im Theaterstück "Die Befristeten" von Elias Canetti (1905 - 1994) dargestellt. Jeder Mensch muss sich an den "Kontrakt" und den "Augenblick" halten, das heißt an den für ihn festgelegten Moment des Todes. Einer aber bäumt sich gegen diese Art zu leben und zu Sterben vehement auf. Ihm wird deshalb ein öffentlicher Prozess gemacht. Darin ruft er entschieden aus: "Ich glaube nicht an den 'Augenblick' ", oder mit anderen Worten - "es muss für uns Menschen mehr geben als nur die neutrale physikalische Größe Zeit.

Zeit hat mit ihrer Dauer zugleich eine ganz bestimmte Qualität. Jesus drückt dieses Verständnis so aus: "Die Zeit (wörtlich: der Zeitpunkt) ist erfüllt und das Gottesreich ist nahe" (Mk 1, 15). Damit gibt er jedem einzelnen Augenblick einen tiefen, gott-persönlichen Sinn. Zeit wird damit zum günstigen, von Gott geschenkten Augenblick. Zeit ist also göttlich gefüllt.

Das stellt unsere einmalige unwiederholbare Lebenszeit in einen besonderen Zusammenhang. Ja, wir alle sind und bleiben "Befristete". Darum weiß auch der heilige Benedikt. Uns (sind) die Tage dieses Lebens als Frist gewährt mit einem bestimmten Inhalt und Ziel - damit wir uns von unseren Fehlern bessern (RB Prolog 36) und jeden Tag auf seine göttlichen Mahnungen mit unserem Tun antworten (RB Prolog 35).
Der von ihm genau geregelte Tagesablauf will genau dieses absichern. Das gesamte Leben soll durch die persönliche Umkehr zu Gott und den Glauben an das Evangelium (vgl. Mk 1, 15) geprägt sein. Dabei ist kein übertriebener Aktivismus gefordert. Alles zu seiner Zeit! Der jeweilige "Augenblick" im konkreten Alltag soll aber immer in diesem Horizont überlegt gestaltet werden. Müßiggang ist (nicht nur) der Seele Feind (vgl. RB 48, 1), sondern auch immer eine vergebene Chance, ein Verfehlen des angepeilten Zieles. Zeit vertun oder sogar totschlagen (!) ist so gesehen eine Beleidigung Gottes. Sich den unberechenbaren Tod täglich vor Augen (RB 4, 47) halten, macht deshalb keine Angst, sondern rüttelt auf, jeden Augenblick wertzuschätzen. Denn im Augenblick kann Bleibendes gestiftet werden ... wie Maria mit ihrem "es geschehe" die Weltgeschichte umwandeln half zur Heilsgeschichte (Corona Bamberg), soll auch ich mich dieser Heilsgeschichte voll und ganz zur Verfügung stellen.

Mit dem Neutestamentler Heinz Schürmann (gest. 1999) ist der Augenblick ein Fenster, durch das die Sonne der Liebe Gottes hereinschaut in das Haus meines Lebens. Aus jeder Arbeit heraus lässt sich Gott liebend erreichen ... so kann sich unsere Seele immer und überall sofort mit Gott verbinden und in ihm liebend Höhe gewinnen ... die selbst geplante Zukunft und ... die festgehaltene Vergangenheit müssen dabei allerdings losgelassen werden.

Dann aber ist der nötige Freiraum da, eine innere Weite und Offenheit. Anders als im Theaterstück von Canetti wird man hier und da auf verschiedene Weise ausrufen: Ich glaube an den mir jetzt von Gott geschenkten und von ihm erfüllten Augenblick! Kostbare Zeit zum Gestalten!

Den spirituellen Impuls für den Januar 2017 schrieb
P. Gregor Winter OCist

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