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Spiritueller Impuls April 2017

Ostern als "Transformationsfest"

Gut in Form sein - das geht nicht automatisch. Auch kein Christ ist und bleibt automatisch gut in Form. Dazu braucht es Ausdauer, die Bereitschaft zum Üben und zum Dazulernen sowie das Eingeständnis, damit nie fertig zu sein. Eine gute Portion Entdeckerfreude kann das alles nur unterstützen. Das diesjährige Reformationsjubiläum legt die Frage nahe - wie gut sind wir Christen aller Konfessionen in Form?
Zunächst - das Wort Reformation als Bezeichnung für eine ganze Epoche ist noch relativ jung. Erst durch den preußischen Historiographen und Historiker Leopold von Ranke (1795 - 1886) wurde es populär. Reformation heißt ganz allgemein Erneuerung, also dem christlichen Glauben an Gott eine neue Form geben. Es ist der Versuch, immer neu auf den Anruf Gottes zu antworten. Da sich Zeit und Umstände immer ändern, wird es auch unterschiedliche Antworten geben müssen. Dafür gibt es in der Geschichte viele überzeugende Beispiele. Aber dazu gehören auch manche Deformationen - wo der Glaube an Gott entstellt wurde und so ein hässliches Gesicht erhielt. Da wurden Wunden geschlagen, von denen manche bis heute schmerzen. So gehört zu einer ehrlichen und selbstkritischen Sicht, dass sich Kirche und Taufe immer wieder erneuern müssen. Das schließt unbedingt die Frage an mich selbst ein - wo lebe ich den Glauben in meinem Alltag verzerrt und hässlich vor?
In seinem Hohelied - Kommentar 62,5 schreibt der heilige Bernhard von Clairvaux: "transformemur, cum confermemur" - "indem wir Christus gleichförmig werden, werden wir umgewandelt". Dieses Wort hilft, zu einer guten Form als Christ zu finden. Es lädt ein, sich ganz persönlich von Christus mitnehmen zu lassen, wenn wir seinen Tod und seine Auferstehung feiern. Die Epistel aus der Osternacht bringt es auf den Punkt - "wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod - und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben." (Röm 6,4)
Konform mit Jesus unterwegs sein heißt, sich in ihn hineindenken, hineinfühlen, seinen Weg mitgehen, mit seinen Augen schauen, mit ihm beten - und das als Lernender, Fragender, mit Ausdauer und in Geduld. Dazu gehört auch, auf "Stolperstellen" zu achten und ihm offen und ehrlich zu sagen - "hier komme ich nicht mehr mit!" Denn immer wieder melden sich in uns Vorbehalte, Vorurteile, vage Vermutungen oder Widerstände, die uns manchmal auch sehr hartnäckig und länger an der guten Form hindern. Sie wahrnehmen und ihm mit auf den Weg zu geben - das gehört zur Taufe auf den Tod. So können wir alles das zurücklassen, was Jesus widerspricht und zu den verschiedenen Hindernissen in seiner Kraft sprechen - Ihr seid im Grund für mich gestorben.
Transformemur - wir werden umgewandelt. Dann wird der Weg frei, dass sich das österliche Geheimnis auf uns auswirkt und unser Leben verwandelt. Es ist der neue Mensch- neu im Sinn von ursprünglich, ganz von Gott aus. Dann will ich nicht mehr alles allein wissen, wie mein Lebensweg abzulaufen hat, gerade auch im Bezug auf die Einheit der Christen. Dann höre ich mit der guten Portion Entdeckerfreude dem dreifaltigen Gott zu, der mich persönlich fragt - "wer wird für uns gehen?" (Jes 6,8) - kann ich dann so wie Jesaja antworten - "hier bin ich, sende mich"? Wer sich senden lässt, wohin Gott ihn zieht, der kommt auf jeden Fall in seine gute Form. Es ist sehr wahrscheinlich nicht die Form, auf die er selbst je gekommen wäre. Gott ist überraschungssicher in seinen Wegen und Plänen. Doch kennt er uns besser als wir uns selbst - genug Grund also, uns ihm anzuvertrauen.
So gesehen dürfen wir Ostern als ein "Transformationsfest" feiern. Es ist nicht zuerst ein angestrengtes Agieren, sondern ein Geschehen-Lassen. So ähnlich wie der Strom, der in einem Trafo umgewandelt wird. Aber - es ist und bleibt Spannung. Das spannenden Leben mit dem Auferstandenen möge uns immer mehr in Form bringen und halten.

Den spirituellen Impuls für April 2017
schrieb P. Gregor Winter OCist

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