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Spiritueller Impuls Mai 2017

Stationen in der Dynamik des Lebens

Der Kindermund fragt: "Papa, wieso erfährt man nie, wann ein berühmter Mensch geboren wird, sondern nur, wenn er gestorben ist?" - Ja, warum eigentlich?! Aus kindlicher Logik ist es unverständlich, dass nicht über die Geburt eines berühmten Menschen berichtet wird. Kindern ist nicht bewusst, dass wir nicht wissen können, wann ein berühmter Mensch geboren wird, weil zur Zeit der Geburt über uns allen die gleiche Ungewissheit unseres Lebensverlaufs liegt. Jeder Mensch ist zum Zeitpunkt seiner Geburt wie ein unbeschriebenes Blatt. In jedem schlummert eine Fülle von Möglichkeiten: Werden Sie je geweckt werden?

Stationen heißt die Ausstellung mit Werken von Frau Martha Reiter. Die Stationen zeigen im Rückblick, wie Möglichkeiten Wirklichkeit geworden sind. Der Begriff "Station" ist sehr dynamisch - auch wenn er erst einmal sehr statisch klingt. Aus unserem Selbstverständnis als Mönche lässt sich diese Dynamik sehr schön nachweisen. Wenn wir Mönche von der "statio" sprechen, meinen wir den Moment des Innehaltens vor dem Gottesdienstbeginn. Die statio ist eine kurze Zeit der Stille, die aus der Bewegung kommt und in die Bewegung mündet. Die statio ist ein Sammelpunkt, an dem ich alles anschaue, was ich mitgebracht habe. Ich sortiere, was ich loslassen kann und was ich mitnehmen will. Dann gehe ich weiter. Die statio lebt als bewusster Zeitpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft und ist daher etwas hoch Dynamisches.

Stationen im Leben sind wichtige Punkte für mich und für die anderen. Mein Lebenslauf und die Wendepunkte meines Lebens werden sichtbar. Die Ausstellung gibt bewusst einen Einblick in das Leben der Künstlerin. Staionen helfen uns, unser eigenes Leben und das der anderen besser zu verstehen.

Als Christen hat der Kreuzweg eine große Bedeutung, bei dem wir 14 Leidensstationen Jesu betrachten. Im Rosenkranzgebet kennen wir 20 Ereignisse aus dem Leben Jesu, in die wir uns vertiefen. Diese Ereignisse nennen wir Geheimnisse, nicht Stationen. Stationen sind immer auch Geheimnisse, denn der betrachtende Mensch erfährt, dass sie im Tiefsten unauslotbar bleiben und dass es immer Neues zu entdecken gibt.

Es wäre schön, wenn die Kunstwerke jedem Besucher einen Moment des Verweilens schenken, damit er Anteil nehmen kann an dem, was die Künstlerin aus ihrem Leben zeigt, und damit der Besucher selbst der geheimnisvollen Stationen seines eigenen Lebens bewusst wird.

UnbenanntVier Stationen eines Motivs:
Martha Reiter: Raumkreuze
Tusche auf Zeichenkarton 20 x 20 cm, 1997

Der spirituelle Impuls für den Mai 2017 ist der leicht überarbeitete Betrachtungstext von P. Bruno Robeck OCist zur Vernissage der Ausstellung "Stationen - Retrospektive" vom 8. April 2017. Die Kunstwerke von Frau Martha Reiter können bis zum 10. Juni 2017 im Kloster Langwaden besichtigt werden.

 

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