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Spiritueller Impuls April 2018

Auferstehung dauert an, Auferstehung dauert

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Sehr gut erinnere ich mich noch an eine Führung durch das Kloster Wienhausen bei Celle. Bis zur Re­formation lebten dort Zisterzienserinnen, heute ist es ein evangelisches Frau­enkloster. Unter den zahlrei­chen Kunstwerken aus dem 14. Jh. fallen besonders die Auferstehungsszenen „gleichen Typs“ auf.  Ein­drücklich klingen in mir die Worte bei der Führung nach: „Und hier sehen sie wieder den auferstehen­den Christus!“ Und wirklich: Ob im Fenster des Süd­kreuzganges, auf der Ewigen Lampe, die Christusfi­gur in der heutigen Auferstehungskapel­le (s. Bild) oder auf der Bildfolge des Heiligen Grabes: Immer ist Christus in Aktion, ist er  ein Auferstehender. Sein rechtes Bein steht auf einem machtlosen und den­noch  zufrieden schlummernden  Wächter. Gegen den Auferstehenden kommt keine menschliche Wa­che an.

Auferstehung, so die Botschaft des Bildes, ist kein abgeschlosse­nes Geschehen, Auferste­hung dauert an. Christus wirkt bis heute (vgl. Joh 5, 14). Na­türlich: die Auferstehung Chris­ti ist vor gut 2000 Jahren geschehen. Er ist längst auferstan­den, hat den Tod besiegt, uns die Erlö­sung geschenkt, sich zur Rechten Gottes gesetzt ( vgl. Hebr 12, 2) und kann nun warten, bis ihm alles (!) unter die Füße gelegt wird (vgl. Apg 2, 32-35), viel mehr als nur ein schlafen­der, hilfloser Wächter. Doch das heißt nicht, dass das reine Geschichte ist, sondern dass er seit diesem Ge­schehen bleibend für immer lebendig ist und wirkt. Vor allem will er im Inneren eines jeden Menschen ein Auferste­hender sein. 

Das Grab, aus dem Jesus aufsteht, weist hin auf die vielen dunklen Seiten in uns: unge­ahnte Abgründe, schädliche Tendenzen und gefährliche Dynamiken. Da ge­schieht so vie­les, was das Leben hindert, sogar auslöscht. Bis auf den heutigen Tag wie­derholt sich der gewaltsame unschuldige Tod Jesu im Leben ungezählter Menschen. Sie werden Opfer der Gewalt, der Verblendung, der Gleichgültigkeit und Unaufmerksamkeit. Das geschieht oft auch deshalb, weil es uns selbst schwer fällt, diese Schattenseiten zu akzeptieren. „Über­heblichkeit, Bosheit, Unvernunft, Habgier, Diebstahl, Mord, Neid, Aus­sschweifung“ (vgl. Mk 7, 21-22) und vieles andere  widerspricht unserem positiven Selbst­bild. Doch wie fatal: im­mer, wenn wir uns unseren dunklen Seiten nicht stellen, übertragen wir diese auf andere. Sie werden dann zu „den Bösen“, die „dran schuld sind“.

Der Auferstehen­de lädt uns ein, diese Schattenseiten in uns anzunehmen und ihm „als Schemel unter die Füße“ (Ps 110, 1) zu legen. Damit sind sie nicht aus der Welt geschafft. Aber vielleicht schlummern sie, ähnlich wie der Wächter. Wenn ich vor Christus demütig-realistisch ein­gestehe, welche Gegenkräfte mich bedrängen und ich sie ihm überlasse, dann werde ich frei, kann selbst dagegen aufstehen. Die Auffor­derung Benedikts wird zu einem österlichen Zuruf: „Stehen wir also endlich einmal, zweimal, dreimal ... auf!“ (vgl. RB Prolog 8). - Durch den Auferstehenden zum / zur  Auferstehenden werden - das wird, kann und darf andau­ern. Das braucht seine Zeit, eine ganze Lebenszeit.

Den spirituellen Impuls für den April 2018
verfasste P. Gregor Winter OCist

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