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Spiritueller Impuls August 2018

Gutes beginnen und vollenden (lassen)

Fischschwarm

Lebenslange Bindung hat heute überwiegend keinen guten Klang. Es melden sich der Verdacht und die Befürchtung, zu kurz zu kommen, etwas zu verpassen. Andererseits ist die Sehnsucht nach Verlässlichkeit groß und Leben ohne Vertrauen unmöglich. Jedem Bergsteiger nimmt man es problemlos ab, wenn er sich freiwillig an ein Seil bindet. Täte er es nicht, wäre es höchst lebensgefährlich. Nur wer sich bindet, ist wirklich frei. Bloß - woran und an wen, wenn es um mehr als um eine Freizeitbeschäftigung geht?

Ende Mai durfte ich die Feierliche Profess ablegen. Das heißt einerseits - persönlich mein verbindliches Ja, die lebenslange Bindung an Gott als Zisterziensermönch im Kloster Langwaden versprechen. Und andererseits nimmt Gott diese Bindung an durch das Ja der Gemeinschaft zu mir auf diesem Weg. Was ist nun mit der Befürchtung, zu kurz zu kommen?
Natürlich schließt jedes Ja auch viele Neins ein. Jeder und jede verpasst in seinem Leben immer etwas. Das erfahre ich auch und es fällt mir nicht immer leicht, damit zurechtzukommen. Doch andererseits - weshalb diese Befürchtung? Etwas verpassen, heißt doch nicht automatisch, ein erfüllendes Leben verhindern. Auf der oft stressigen Suche nach dem, was ich unbedingt erleben muss, kann ich auch das Wesentliche verpassen. Ich kann aus dem Blick verlieren, was mir persönlich viel mehr entspricht, was wirklich gut für mich und andere ist.

Ich betrachte die kleine Karte mit dem Fischschwarm - eine unter den zahlreichen Glückwünschen zur Feierlichen Profess. Das Meer als Bild für die Freiheit und die unzähligen Lebensmöglichkeiten. Das Meer aber auch als Bild für Gottes Weite und seinen Einfallsreichtum, auch für mein Leben. Alle Fische können sich frei bewegen, könnten "solo" bleiben - und doch schließen sie sich zusammen, sind unsichtbar verbunden. Ein Glaubens- und Vertrauensnetz hält sie zusammen und lässt sie in dieselbe Richtung unterwegs sein.
"Zeit ist das Warten Gottes auf seine Kinder." Diesen Satz der französischen Philosophin Simone Weil (1909 - 1943) lese ich auf einer anderen Glückwunschkarte. Ja, Gott hat unendliche Geduld. Doch was für eine Freude und Dankbarkeit, wenn jemand zur inneren Klarheit findet und zu Gott sagen kann: "Du weißt wirklich besser als ich, wohin ich gehöre! Jetzt überlasse ich mich dir. Ziehe mich dorthin, wo und wie du mich haben willst."

Für Benedikt ist dieses "Sich-Von-Gott-Ziehenlassen" der Beginn von "etwas Gutem" (Prol 4). Es lässt sich auf jede wichtige Lebensentscheidung beziehen. Umso wichtiger, damit immer wieder Gott "in den Ohren zu liegen", damit das Gute auch vollendet wird. Ich darf gelassen-gespannt meinen Weg gehen: "Weil er Gutes in uns wirkt, müssen wir ihm jederzeit gehorchen." (Prol 6) - das Gute muss und kann ich mir nicht ausdenken. Es ist Gott selbst, der es wirklich besser weiß, mich dazu fähig und willig macht. Immer wieder auf Ihn hören, damit seine Güte den Weg nach draußen, in das konkrete Leben findet. Wer sich verbindlich von Gott ziehen lässt, der wird wirklich frei für das Gute, mit anderen zusammen, lebendig wie ein Fisch im Wasser.

P. Gregor Winter OCist

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