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Spiritueller Impuls April 2019

Licht und Zeit – Gedanken zur Langwadener Sonnenuhr

prior

Die Langwadener Sonnenuhr haben wir bewusst am 21. März eingeweiht. Die Tage um den 21. März sind die Zeit der so genannten Tag- und Nachgleiche. Auf der ganzen Welt sind dann der lichte Tag und die Nacht ungefähr gleich lang. Ab diesem Tag werden bei uns (wie auf der gesamten Nordhalbkugel) die Tage länger. Die Dunkelheit wird zurückgedrängt und im menschlichen Empfinden nehmen auch Heiterkeit und Freude zu.

Der 21. März ist der Todestag des heiligen Benedikt von Nursia. Er hat unsere Mönchsregel geschrieben. Sein Tod wird als Heimgang gefeiert – nicht als Tag der Trauer, sondern als Tag der Freude, da Benedikt zu Gott heimkehren konnte. Durch seinen Tod wird das Leben seiner Brüder nicht dunkler, sondern heller. Der Heimgang bestätigt den Mönchsvater als Heiligen und seine Regel wird als Richtschnur für ein gelungenes Klosterleben noch sichtbarer.

Abt Robert von Molesme und seine Brüder haben im Jahre 1098 bewusst den 21. März gewählt, um ihr Heimatkloster zu verlassen und das Neukloster zu gründen, aus dem unser Orden hervorgehen sollte. Sie stellten sich und ihren Aufbruch unter den besonderen Schutz des heiligen Benedikt. Sie wollten, dass durch ihren Neubeginn im klösterlichen Leben die geistliche Welt wieder ein Stück heller werden sollte.

Licht und Zeit hingen für die Mönche schon immer mit dem geistlichen Leben zusammen. Dabei standen sie und stehen wir bis heute ganz in der Tradition der Kirche, die auf die Lichtsymbolik Bezug nimmt, wenn zum Beispiel das Geburtsfest Jesu zur Zeit der Wintersonnenwende gefeiert wird. Jesus kommt als Licht in die Welt und wir erleben, wie die irdischen Tage wieder länger werden. Auch die Ausrichtung der Kirchen nach Osten ist bewusst, da die täglich aufgehende Sonne auf die Auferstehung Christi verweist.

Daneben erleben wir uns aber auch in den natürlichen Rhythmus von Licht und Dunkelheit eingebettet. Im Psalm 104 klingt diese Erfahrung an: „Du, Gott, sendest Finsternis und es wird Nacht, dann regen sich alle Tiere des Waldes. Strahlt die Sonne dann auf, schleichen sie heim und lagern sich in ihren Verstecken. Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk, an seine Arbeit bis zum Abend“. Der heilige Benedikt mahnt daher in seiner Mönchsregel: „Die Laudes (Morgenlob) sind bei Tagesanbruch zu halten“ (vgl. 8,4). „Die Feier der Vesper werde so angesetzt, dass man noch bei Tageslicht mit allem fertig wird“ (vgl. 41,8).

Der Mensch früherer Zeiten merkte seine Verbundenheit mit der Natur und den Wechsel seiner Bedürfnisse. Heute hat sich dies geändert. Auch wenn wir im Kloster zwar nicht die Nacht zum Tage machen, ignorieren wir doch weitgehend den natürlichen Rhythmus, indem wir das elektrische Licht anschalten. Die Gefahr liegt auf der Hand - wir können schnell den Bezug zur natürlichen Ordnung verlieren. Wie Maschinen sollen wir funktionieren - immer zur selben Zeit und im selben Tempo alles erledigen. Die Unabhängigkeit vom Tageslicht und die Standardisierung haben natürlich auch ihre Vorteile und es liegt mir fern, sie grundsätzlich abzulehnen. Wir sollten aber immer daran denken, dass wir nicht so sehr in einen vorgegeben getakteten Rhythmus zu zwängen sind, sondern vielmehr im großen Rhythmus der Natur und unseres Menschseins leben.

Um die Standardisierung und Egalisierung unseres Lebens immer wieder in Fragen zu stellen, haben wir uns bewusst für eine Sonnenuhr entschieden, die nicht die Mitteleuropäische Zeit, sondern die wahre Ortszeit zeigt. Wir greifen damit eine uralte Tradition auf, die in diesem Jahr vor 135 Jahren sang- und klanglos aufgegeben worden ist.

Unsere Sonnenuhr zeigt uns also die wahre Ortszeit Langwadens an - wenn die Sonne scheint. Und wenn die Sonne nicht scheint, zeigt uns die Sonnenuhr, dass die Zeit nicht sichtbar und die Schöpfung für uns Menschen nicht immer greifbar und messbar ist. Gerade dann lädt sie uns aber ein, die Zeit einmal nicht bestimmen zu wollen, sondern ihr nachzuspüren und sie auf neue Weise zu erfahren.

Den spirituellen Impuls für den April 2019
schrieb Pater Prior Bruno Robeck OCist

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