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Spiritueller Impuls Juli 2019

Das Leben erfahren

Wir reden davon, dass wir „Erfahrungen“ machen. Im Begriff „Erfahrung“ steckt das Wort „fahren“. Wir können keine „Erlaufungen“ machen, obwohl es unbestritten ist, dass wir beim Laufen die Umgebung und uns selbst viel deutlicher wahrnehmen als beim Autofahren oder Bahnfahren. Beim Laufen können wir mehr Erfahrungen sammeln als beim Fahren. Der Nachteil des Laufens besteht jedoch darin, dass wir nur sehr langsam vorwärts kommen und daher oft gezwungen sind, auf ein Transportmittel zurückzugreifen. Aber vielleicht muss es nicht immer gleich das Auto sein. Mit dem Fahrrad ist man auch schneller als zu Fuß und bleibt gleichzeitig nahe bei sich selbst und bei seiner Umgebung. Wer Fahrrad fährt, ist nicht durch die Fahrgastzelle von der Außenwelt abgeschnitten und kann nicht die Fahrgeschwindigkeit unabhängig von der körperlichen Konstitution erhöhen (zumindest wenn er ein Fahrrad in klassischer Anfertigung benutzt). Wer Fahrrad fährt, spürt Luft, Hitze und Kälte und nimmt die Landschaft um sich wahr. Der Radfahrer bemerkt schon jede kleine Steigung der Straße. Beim Fahrradfahren spürt man, wie die Technik ein Hilfsmittel bleibt, die auf den menschlichen Einsatz angewiesen ist. Beim Fahrradfahren kann man also viele Erfahrungen sammeln – ähnlich wie beim Laufen und kommt doch schneller vorwärts.

Noch einen weiteren Vorteil hat das Fahrrad gegenüber dem Auto. Das Design der Autos hat sich im Laufe der Zeit sehr stark verändert. Ich habe den Eindruck, dass nicht nur aerodynamische Überlegungen die Formen beeinflusst haben. Früher hatten die Autos richtig lustige „Gesichter“. Die modernen Autos wirken eher wie kleine Panzer, die mit ihren Scheinwerfern und dem Kühlergrill grimmig „gucken“ - kein freundlicher und einladender Anblick. Dagegen hat sich seit der Erfindung des Sicherheitsniederrads im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts die Fahrradkonstruktion nicht wesentlich verändert. Das Fahrrad hat eine gleichbleibende Ausstrahlung.

Zu meinem letzten Geburtstag bekam ich eine schöne Glückwunschkarte mit einem Fahrrad. Die Gratulantin schrieb, dass sie in diesem Kartenmotiv „eine gewisse Leichtigkeit, gepaart mit ernster Gelassenheit“ wiederfinde. Solch eine Atmosphäre kann ein Auto nicht ausstrahlen. Solch eine Atmosphäre kann man auch als Fußgänger nicht erleben. Aber als Fahrradfahrer ist es möglich, denn der Fahrradfahrer freut sich einerseits über die Technik, die ihm zur Verfügung steht, andererseits weiß er auch um seine Kräfte, die er selbst einsetzen muss und um seine Grenzen, die er respektieren muss. Er erfährt das Leben immer – egal, auf welche Art und Weise er unterwegs ist, weil ihm die verschiedenen Dimensionen stets bewusst sind.

Den spirituellen Impuls für den Juli 2019 schrieb
Pater Bruno Robeck OCist

Hinweis: Dieser spirituelle Impuls entstand vor dem Hintergrund der Sommerausstellung „Kunst + Rad“, die vom 6. Juli 2019 bis 31. August 2019 im Kloster Langwaden zu sehen ist.

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